Bürgervorschlag zu „Frohe Zukunft“

FZ - 215Strukturkonzept "Stadteingang Frohe Zukunft" + Umgestaltung Straßenraum

Sehr geehrte Damen und Herren, ich möchte die Gelegenheit der Bürgerbeteiligung zum Strukturkonzept „Stadteingang Frohe Zukunft“ nutzen um Ihnen meine Meinung / Einschätzung und Vorschläge dazu mitzuteilen. Als allerstes stellt sich mir persönlich die Frage, ob denn der Wohnraumbedarf für die massive Anzahl an mehrgeschossigen Wohnungsbauten in der Stadt Halle an diesem Standort überhaupt gegeben ist. Die Stadt Halle geht von einer stabilen, größtenteils gleichbleibenden Bevölkerungsentwicklung bis 2030 aus. Woher wurden die Zahlen generiert um diese große Anzahl an Wohnungen zu planen? Von woher werden die Bewohner kommen? Es werden ja auch in anderen Stadtteilen weitere Wohngebiete geplant / ausgewiesen. Im nächsten Schritt bezweifle ich die Sinnhaftigkeit der Verlängerung der Straßenbahntrasse für die Linie 1. Diese Verlängerung steht in keinem Kosten-/ Nutzenverhältnis. Meine Tochter ist den Weg von der Zöberitzer Straße bis zur Endhaltestelle gelaufen. Sie hat heute diese Strecke – ohne sich zu beeilen – in 6 Minuten und 18 Sekunden geschafft. Ist es der heutigen Bevölkerung nicht mehr zuzumuten sich keine zehn Minuten zu bewegen, um von ihrer Wohnung bis zur derzeitigen Endhaltestelle zu laufen? Und sei dieser Aspekt mal dahin gestellt … außer der Straßenbahnlinie existiert eine funktionierende Buslinie. Diese könnte man ohne weiteres durch das neu gebaute Gebiet führen, ohne dass jemand sich groß bewegen muss. Die Verlängerung der Straßenbahnlinie 1 halte ich schlichtweg für den falschen Weg. Die jetzige Endhaltestelle der Linie 1 funktioniert einwandfrei. Zumal auch ein gefahrloses Aussteigen möglich ist und die Passanten nicht sofort an oder auf der Straße stehen – so auch Kinder, die die Grundschule oder den Kindergarten besuchen. Aber nicht nur die Bequemlichkeit spielt hier eine Rolle. Passt den die angedachte Planung in den vorhandenen Straßenquerschnitt? Im Bestand gibt es die Bebauung der Grundschule als einen Zwangspunkt und die zu erhaltende Baumreihe mit Platanen als zweiten Zwangspunkt. Die Bestandssituation vs. neuem Straßenkörper: - Bestand: Schotterstreifen, derzeit zum Parken genutzt … Tiefe ca. 8,50m - Bestand: Straßenkörper mit 2 Fahrbahnen … Gesamtbreite ca. 9,00m - Bestand: Radweg (sehr desolater Zustand) … Breite ca. 1,50m - Bestand: Fußweg bis Baumbestand … Breite ca. 2,50m - Bestand: Gesamtbreite = 21,50m - Planung: Straßenbahnkörper, zweigleisig … Gesamtbreite ca. 6,50m - Planung: Haltestellenbereich … beide Fahrbahnrichtungen … jeweils ca. 2,50m - Planung: PKW-LKW-Bus-Verkehr … stadtein- und stadtauswärts … jeweils ca. 3,00m - Planung: Radweg … stadtein- und stadtauswärts … jeweils ca. 2,00m - Planung: Fußweg … stadtein- und stadtauswärts … jeweils ca. 2,50m ( Quelle: Dimensionierung von Fußgängerverkehrsanlagen (forschungsinformationssystem.de) und RASt 06 ) - Planung: Gesamtbreite = 26,50m Bei dieser überschlägigen Rechnung kann man sehen, dass es schwierig werden wird in den vorhandenen Straßenquerschnitt alle Wünsche unterzubringen. Im schlimmsten Fall geht es wieder zu Lasten der Schwächsten ... Kinder, Fußgänger und Radfahrer. Ein weiteres Problem bei der Umplanung des Straßenkörpers dürfte der jahrzehntealte Baumbestand mit Platanen sein. Dessen Wurzeln gehen zum einen sehr tief (teilweise so tief, wie der Baum hoch ist) und zum anderen wachsen die Wurzeln dieser Bäume auch flach in die Breite (auch hier kann es passieren, dass die Ausdehnung der Wurzeln dem Kronendurchmesser entsprechen). Schon jetzt sieht man, dass die Kronen teilweise bis zur Straßenmitte reichen. Der Baumbestand sollte dringend erhalten bleiben. Ein Fällen sollte keine Option sein. Wie wird die Stromführung für die Straßenbahn geplant? Durch die Neuordnung des Verkehrsraumes ergibt sich ein weiteres Problem. Die Straßenbahngleise sollen in der Straßenmitte verlaufen. Dies bedeutet für die Anwohner in der Dessauer Straße, dass sie zunächst stadteinwärts fahren müssen, wenn sie doch eigentlich stadtauswärts wollen oder die Fahrt in Richtung Trotha geht. Denn ein Überfahren der begrünten Straßenbahngleise wird nicht möglich sein. Im Bereich der Haltestellen ist davon auszugehen, dass es eine Ampelregelung geben wird. Stehender und anfahrender Verkehr sind die Folge. Bei starkem Verkehr wird die Staugefahr begünstigt. Die Neustrukturierung des Verkehrsraumes hat aber auch für die Jüngsten erhebliches Unfallpotenzial. Sie müssen nicht nur den Autoverkehr sondern auch noch den Straßenbahnverkehr beachten. Viele Grundschüler gehen in kleinen Gruppen bereits alleine in die Schule. Was ich sehr gut finde, fördert es doch die Selbstständigkeit. Aber der Straßenbahnverkehr erhöht das Gefahrenpotenzial im Zugang zum Schulgelände. Was wiederum zur Folge haben wird, dass viele Eltern ihre Kinder wieder zur Schule bringen werden: auf dem Weg zur Arbeit – mit dem Auto. Was passiert dann? Es sind keine Hohl- und Bringezonen für die Grundschule oder Kita eingeplant. Geht ja auch nicht, denn im Verkehrsraum ist dafür schlichtweg kein Platz mehr vorhanden. Kommen wir weg vom Bereich der Neustrukturierung des Bestandes hin zum Bereich der neuen Planung. Hier fällt mir als erstes der neue Park & Ride-Parkplatz auf. Dieser ist nur für den stadtauswärtsfahrenden Verkehr erreichbar? So sieht es zumindest auf den ersten Blick aus. Oder wird es eine Abbiegespur stadteinwärts geben? Über den zweigleisigen Straßenbahnkörper? Aus der Erfahrung heraus, sollte man versuchen diese Anordnungen zu vermeiden, da auch hier erhebliches Unfallpotenzial steckt. Wie ausgelastet sind die anderen Park & Ride-Parkplätze der Stadt? Ich gehe davon aus, dass die Mitarbeiter des Landesverwaltungsamtes dieses Parkplatz reichlich nutzen werden, sollte der Verkehrsraum wie geplant umgebaut werden. Denn durch die Umgestaltung des Straßenraumes entfallen zig Parkplätze, die durch sie genutzt werden. Man wird doch nicht glauben, dass all diese Mitarbeiter auf die überteuerte Straßenbahn umsteigen, nur weil die Haltestelle fast an der Bürotür endet? Nicht bei den ständigen Preiserhöhungen, welche die HAVAG jedes Jahr veranlasst. Und ich hege starke Zweifel, das die Kosten für die Verlängerung der Straßenbahnlinie über stark zunehmende Fahrgastzahlen zu kompensieren ist. Wer die Bahn jetzt nicht nutzt, wird es nach dem Umbau auch nicht tun. Die Zöberitzer Straße sollte dem Fußgängern und Radfahrern vorenthalten bleiben. Der Autoverkehr hat hier nichts zu suchen. In diesem Wäldchen gehen Kita- und Schulkinder spazieren. Lernen die Natur kennen und bauen mit Naturmaterialien. Hier können sie sich frei bewegen. Mein Vorschlag für die Umgestaltung des Verkehrsraumes: das Hauptaugenmerk beim Umbau des Verkehrsraumes sollte beim Ausbau des Rad- und Fußwegverkehrsliegen. Eine optimale Anbindung an den ÖPNV (Bus und Straßenbahn) liegt jetzt bereits vor und funktioniert auch. Hier ist keine Anpassung notwendig. Konflikte bezüglich der Verkehrsraumgestaltung gibt es erheblich viele in dem vorliegenden Konzept und sollten erneut überdacht werden. Man sollte sich alles nochmal genauer anschauen und abwägen. Was ist sinnvoll und was ist pure Bequemlichkeit und was wiederum ist gefährlicher und vor allem vermeidbarer Leichtsinn. Es wird in der Dessauer Straße auch langfristig keine erhebliche Entlastung des Verkehrsaufkommens geben: die Straße ist ein Autobahnzubringer. Wir werden als Baustellen- und Stauumfahrung genutzt. Dieser Umstand wird sich auch nicht ändern. Hier wird immer massiv Verkehr durchfahren. Aber dies kann man nur als Anwohner wissen, wenn man das Chaos hier teilweise miterleben muss und zehn Minuten in der Einfahrt steht und nicht rausfahren kann. Noch schlimmer: durch das vorliegende Konzept würde die Belastung auch noch durch den hinzukommenden Straßenbahnverkehr erhöht. Es gibt einen einzigen Vorteil, den das Strukturkonzept im Bezug zum Verkehrsraum hätte: der Wegfall des unansehnlichen Asia Imbisses mit seiner permanenten Geruchsbelästigung. Auch optisch ist der Imbiss nicht gerade von Vorteil, wenn man den Stadteingang aufwerten möchte. Aber im zukünftigen Bereich für Handel und Versorgung könnte man ihm ja einen Bereich zuweisen. Zur Wohnbebauung hatte ich bereits eingangs etwas geschrieben. Aus dem Konzept geht nicht hervor mit wieviel Wohneinheiten zu rechnen ist. Allerdings handelt es sich um mehrgeschossigen Wohnungsbau. Dieser wirkt hier eher fehl am Platz. Ringsum befinden sich eher Einfamilien- oder Reihenhäuser. Falls das vorliegende Konzept doch mehr Wohnraum schafft als Bedarf da ist, könnte man überlegen etwas kleiner zu denken … Ein- oder Zweifamilienhäuser würden hier eher ins Bild passen. Auch in Bezug der Sichtbeziehungen zwischen dem Bereich der Justizvollzugsanstalt und der geplanten Wohnbebauung wäre es sicherlich sinnvoll zu überlegen, die Gebäude hier nicht zu hoch auszuführen. Wer möchte schon den ganzen Tag auf die JVA blicken? Die direkte Sichtbeziehung könnte durch Gebäude mit niedriger Höhe z.B. über Baumanpflanzungen, etc. leichter kompensiert werden. Einen Bereich für Handel und Versorgung anzulegen finde ich gut und wird hier auch benötigt. Ebenso würde ich es begrüßen, auch Spielflächen für Kinder zu schaffen. Dies fehlt im Moment und würde den Stadtteil aufwerten und für Familien, denke ich, attraktiver machen. Was ich auch sehr schade finde: es werden für diese Bürgerbeteiligungen nicht alle Menschen mitgenommen. Ich kann mir vorstellen, dass auch für dieses Konzept kaum Bürgerbeteiligungen gibt. Warum? Es gab kaum Hinweise, dass es so etwas gibt. Es wird nicht beachtet, dass in der Frohen Zukunft auch viele ältere Menschen wohnen, die nicht unbedingt Zugang zu allen Medien haben. Für alles mögliche wird Werbung gemacht - bekommt man Zettel in den Briefkasten. Für so etwas Wichtiges findet man kaum einen Hinweis. Was sehr schade ist. Denn so werden Anwohner dann irgendwann vor vollendete Tatsachen gestellt. Was wiederum zu Frust führen kann / wird.

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Frohe Zukunft
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