Bürgervorschlag zu „HK Neustadt 2030“

Neustadt - 191Räumliche Vernetzung ohne bestehende Grünflächen ökologisch abzuwerten

Räumliche Vernetzung ohne bestehende Grünflächen ökologisch abzuwerten 5. Wohnkomplex in Halle-Neustadt Grünachse entlang der Hettstedter Straße Sehr geehrte Damen und Herren, ich beziehe mich auf Planungen im Rahmen „Städtebau und öffentlicher Raum“ für den Bereich 5. Wohnkomplex in Halle-Neustadt. Meine Ausführungen beziehen sich auf den Bereich der Grünachse entlang der Hettstedter Straße, nördlich begrenzt durch die Magistrale und südlich begrenzt durch die Hettstedter Straße selbst, dort wo sie sich in einer 90° Kurve nach Westen ausrichtet unweit der Wache der Freiwilligen Feuerwehr Halle Passendorf. Beschrieben werden unter anderem in Konzepten die „Aufwertung der grünen Weg-Achse“, „Impuls-Projekt Wege-Verbindung stärken“, „Qualifizierung und Vernetzung des Grün-Systems“, „Impuls: Grün-Raum qualifizieren“. Da keine genauen Maßnahmen mir bekannt sind, welche sich auf die konkret beschriebene Fläche beziehen, aber Planskizzen veröffentlicht sind, die gewisse Maßnahmen nahelegen, möchte ich Ihnen meine Wahrnehmung erläutern und eine Empfehlung aussprechen. Ich bin Anwohner seit über 25 Jahren und kann die Aussagen aus der Beobachtung der Entwicklung der Fläche über die letzten zwei Jahrzehnte berichten und daraus Empfehlungen ableiten. Die Fläche gliedert sich aktuell aus zwei großen Rasenflächen, die nach Abriss zweier Wohnblocks entstanden sind und durch die entsprechende Wohnungsgesellschaft als Rasenflächen belassen sind. Die nördliche wurde zur Hundewiese umfunktioniert und ist weiter als solche genutzt. Der westlich des die Fläche durchziehenden Gehweges gelegene Teil wird bestimmt durch die Achse der oberirdischen Fernwärmeleitung. Hier entwickelte sich eine Fläche sukzessive-gewachsener Gehölze, die teils dicht eine Schichtung unterschiedlicher Stockwerke darstellen. Die Fläche hat durch ihre Struktur sehr hohen Wert für Spaziergänger und lockert die Bebauungsstruktur auf. Nicht minder hoch ist aber auch der Wert der Fläche für die städtische Fauna. Aufgrund der Abwechslung großer Streifen von Freifläche und dichter Gehölzstruktur nutzen Stadttiere die Achse gerade in den Abendstunden zum wandern, da durch den dichten Gehölzstreifen immer die passende Deckung nahe geboten ist. Vereinzelte Obstbäume blühen im Frühjahr und bieten Insekten Nahrung und die Früchte sind von Mensch und Tier gern gesehen. Auch bieten hier ältere Bäume und dichte Sträucher Vögeln Möglichkeiten zum Nestbau, was durch den typischen Hochstamm als Straßenbaum im sonstigen städtischen Gebiet nicht gewährleistet werden kann. Nicht ungerechtfertigt möchte ich hiermit die Sorge formulieren, dass unter einer „Qualifizierung von Grünraum“ hier im städtebaulichen Aspekt ein zu starker Eingriff in die vorhandene Fläche verstanden wird. Umbaumaßnahmen und starker Rückschnitt wären hier nicht annähernd sinnvoll oder nutzbringend, sondern würden nicht weniger als die Zerstörung des sich über die letzten Jahrzehnte entwickelten Habitats bedeuten. Eine Sanierung des vorhandenen Gehweges mit Umsetzung einer glatten fußgänger- und fahrradfreundlichen Oberfläche ist selbstverständlich zu begrüßen. Dies kommt auch der Nutzung der meisten Anwohner entgegen und befriedigt das Bedürfnis nach Erholung von Spaziergängen und Gassigängen, so wie es der aktuellen Nutzung entspricht. Weitergehende Eingriffe in die Fläche bringen sowohl für Anwohner als auch für sonstige Lebewesen keine Vorteile und würden sich eher nachteilig auf den ökologischen Wert der Fläche auswirken. Die Ausführungen können beispielhaft auf ähnliche Flächen des gesamten Planungsbereiches übertragen werden. Bereits jetzt ist der Stadtteil Neustadt durch einen hohen Grün-Anteil geprägt und mit seiner vielseitigen Struktur ein wertvoller Lebensraum. Eine Qualifizierung entbehrt meist der Notwendigkeit. In Vorbereitung und Planung von Maßnahmen möchte ich hiermit dringlichst auf eine Zurückhaltung in Bezug auf Eingriffe in intakte Grünflächen hinweisen. Vorteile bieten die Sanierung von Wegen (in vorhandener Breite und keinesfalls in Verbreiterung vorhandener Wege) und Flächenentsiegelung wenn möglich. Von Baumfällungen und Rodungen von Gebüschflächen ist im Sinne einer „Qualifizierung von Grünraum“ auf jeden Fall abzusehen. Das widerspreche dem Zweck an sich. Da aber eben genau diese fehlgeleiteten Arbeiten immer wieder in der Stadt in Bezug auf solche Planungen und Projekte zu beobachten sind, wollte ich hiermit explizit und eindringlich darauf hinweisen. Abschließend möchte ich noch darauf hinweisen, dass eine oberirdisch verlegte Fernwärmetrasse, wie Sie ja auf der entsprechenden Fläche existiert, nicht nur technisch eine einfachere Wartung ermöglicht und geringere Baukosten als positiven Aspekt trägt, sondern auch ökologisch zu befürworten ist. Eine Maßnahme zur Verlegung der Fernwärmetrasse von aktuell oberirdischer Bauart in eine unterirdische Bauart, wie beispielsweise geschehen am Heiderand, hätte durch Baufeld-Freimachung und Erdaushub auf eine Grünfläche wie die hier behandelte entlang der Hettstedter Straße eine extrem negative Auswirkung und ist ökologisch keinesfalls zu begrüßen. Dies ist durchaus wichtig im Rahmen solcher Planungen zu berücksichtigen. Mit freundlichen Grüßen Jakob Kehlen

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Planverfahren: 
HK Neustadt 2030
Thema: 
Neustadt - Städtebau & Öffentlicher Raum
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