Handlungsfeld 3 – Städtebau & Öffentlicher Raum

Neustädter Passage

Unter dem Aspekt der Stabilisierung und Aufwertung städtebaulich, wirtschaftlich und sozial benachteiligter sowie strukturschwacher Stadt- und Ortsteile als wesentliches Ziel des Förderprogramms „Sozialer Zusammenhalt“ wird die Auseinandersetzung mit der städtebaulichen und freiraumgestalterischen Weiterentwicklung des Stadtteils und der Wohnkomplexzentren fortgesetzt. Schwerpunkte bilden dabei die Neuordnung der Rückbauflächen in den Wohnkomplexen V und VI (WK V und WK VI) sowie die Revitalisierung des Stadtteilzentrums. Teilbereiche der Wohnkomplexe V und VI sollen als Wohnstandorte für Eigenheime zur Wohnraumdiversifizierung entwickelt werden und gleichzeitig wird mit Blick auf die Verbesserung der stadtklimatischen Situation die Freiraumstruktur teils neu geordnet bzw. aufgewertet.

Das Stadtteilzentrum erfährt durch die Wiederbelebung der Hochhausscheiben einen neuen Entwicklungsimpuls der durch die Aufwertung des Umfeldes und der öffentlichen Freiräume sowie der Etablierung neuer Nutzungen begleitet werden soll. Angesichts des Klimawandels richtet sich der Fokus immer mehr auf klimagerechtes Bauen und die Einsparung von Energie auch im Betrieb von Bestandsgebäuden. Die offene Zeilenstruktur und die starke vorhandene Durchgrünung des Stadtteils ermöglichen im Sommer eine bessere Durchlüftung als beispielsweise gründerzeitlich geprägte Blockrandstrukturen. Durch eine Quantifizierung des Grünbestandes und mehr Verschattung entlang von Wegen, Straßen und in den Blockinnebereichen kann eine Verbesserung der lokalklimatischen Situation erreicht werden.

Revitalisierung des Stadtteilzentrums Neustadt

Eine besondere Bedeutung für den Stadtteil Neustadt hat das Zentrum als Treffpunkt und stadtgesellschaftliche Mitte. Das Ensemble von Hochhausscheiben und Neustädter Passage bildet einen wichtigen Identifikationspunkt. Die Revitalisierung und funktionale Neuorientierung des Bereiches ist die Grundlage für eine erfolgreiche Überführung des Städtebaus der sozialistischen Moderne in die Bedürfnisse unserer Zeit. Die positive Entwicklung der Sanierungsaktivitäten an weiteren Hochhauscheiben soll unterstützt und der öffentlichen Raum sowie die Zugänge zur Neustädter Passage aufgewertet werden. Grundlagen hierfür bilden das grundsätzliche Bekenntnis des Stadtrates zum Erhalt der Hochhausscheiben, die Ausweisung eines Sanierungsgebietes mit entsprechenden Sanierungszielen und deren weitere Konkretisierung durch die Ausarbeitung des „Strukturkonzeptes Stadtteilzentrum Neustadt“. Als Voraussetzung für eine nachhaltige Entwicklung des Zentrums soll u.a. der ruhende Verkehr neu geordnet werden. Vor dem Hintergrund des Bekenntnisses der Stadt Halle (Saale) erfolgt im Jahr 2021 die Konzentration eines Teils der über die Stadt verteilten Verwaltungseinheiten in der sanierten und langfristig angemieteten Scheibe A. Damit ist ein erster wichtiger Baustein des Ziels alle vier leerstehenden Scheiben wieder in Nutzung zu bringen, umgesetzt. Auch hier muss das Umfeld teils neu gestaltet werden.

  • Umgestaltung der Albert-Einstein-Straße
  • Qualifizierung des Stellplatzangebotes
  • Aufwertung der Zugänge und Eingangssituationen zur Neustädter Passage

Quartierszentren - Funktionelle Anpassung und bauliche Aufwertung

Die ursprüngliche Versorgungsfunktion der Quartierszentren mit Waren und Dienstleistungen des täglichen Bedarfs und zum Teil mit einer ärztlichen Betreuung ist durch den Bevölkerungsverlust, die Veränderung des Arbeitsmarktes und die Entstehung vieler Alternativen weggebrochen. Die teilweise erfolgte freiraumplanerische Aufwertung führte nicht immer zu einer Etablierung neuer Randnutzungen.
In Anlehnung an die funktionelle Anpassung und bauliche Modernisierung des Quartierszentrums des VI. Wohnkomplexes sollen auch die weiteren Quartierszentren belebt und mit neuen Funktionen ergänzt werden. Angestrebt wird die Etablierung einer gelebten Vereins- und Bürgerkultur für die Menschen aus dem anliegenden Wohnkomplex und der ganzen Stadt, verbunden mit gastronomischen und kulturellen Angeboten. Die Eigentümer*innen der verbliebenen Läden sollen an diesem Prozess beteiligt werden.

Unterstützt werden sollen die Beseitigung von städtebaulichen Missständen und die bauliche Instandsetzung, die für die Belebung der vorhandenen und die Ansiedlung der neuen Nutzungen notwendig sind. Ebenso soll dort, wo es noch nicht erfolgt ist, eine entsprechende Anpassung und Sanierung des öffentlichen Raumes mit einer freiraumplanerischen Aufwertung unterstützt werden. Flankiert werden sollen die  Einzelmaßnahmen durch „niederschwellig“ künstlerische Interventionen im öffentlichen Raum als Beitrag zur kreativen Stadtentwicklung.

Wohnhofgestaltung

Der Stadtteil Neustadt zeichnet sich durch einen hohen Anteil an (halb)öffentlichen Wohnhöfen aus. Das ursprüngliche städtebauliche Konzept ging nicht von unterschiedlichen Eigentümer*innen des Wohnhofes aus, inzwischen sind die aber vielerorts gegeben, wodurch eine gemeinsame Nutzung und Gestaltung erschwert wird. Auch die fehlende Zonierung führt teilweise zu einer Erscheinung als Restgrün.
Durch gemeinsame Planung der Mieter und Eigentümer*innen sind in der Umsetzung in anderen Städten bereits gelungene und angenommene Beispiele für Wohnhofgestaltungen entstanden, die den Raum des engeren Wohnumfeldes mit direkter sozialer Kontrolle neu definieren.

In der anstehenden Projektphase sollen mit den Mietern und Wohnungsunternehmen Räume für Kommunikation, Familien, Kinderspiel und Aufenthalt für ältere Menschen in Wohnortnähe geschaffen werden.
In innovativen und kooperativen Werkstattverfahren sollen Bewohner*innen zusammen mit Landschaftsarchitekt*innen Wünsche und Anregungen zusammenstellen, die dann in einen Gestaltungsvorschlag eingearbeitet werden.
Auch in der neuen Förderperiode liegt der Schwerpunkt bei der Aktivierung der verschiedenen Eigentümer*innen, ihren gemeinsamen Wohnhof zu gestalten und damit die Aufenthalts- und Nutzungsqualitäten zu erhöhen.

Wohnraumdiversifizierung

Diese Maßnahmengruppe beinhaltet die Weiterentwicklung des Wohnungsangebotes in Breite und Qualität durch Umbau sowie durch Neubau.
Der Erfolg der bisher erfolgten modellhaften Umbauprojekte der Wohnungsunternehmen zeigt den dringenden Bedarf eines weiter ausdifferenzierten Angebots an unterschiedlichen und neuartigen Grundrissen sowie Wohnungsgrößen. Zur Attraktivierung des Stadtteils für neue Bewohner*innen-Gruppen und zur Bewältigung des demographischen Wandels, ist eine Weiterentwicklung des bauzeitbedingten Grundrissangebots unbedingt erforderlich. Es besteht weiterhin eine große Nachfrage an barrierearmen und energetisch hochwertigem Wohnraum. Auch die Nachnutzung von Rückbauflächen im Bereich zum Übergang zu den historischen Siedlungskernen wie Nietleben oder Passendorf für selbstgenutztes Wohneigentum kann hier ein Baustein sein. Dazu kommt der Bedarf an speziellen Serivce-, Betreuungs- und Freizeitangeboten (z. B. betreutes Wohnen in allen Stufen, in der eigenen Wohnung).

Die Qualifizierung des Wohnraumangebotes durch Bereitstellung von Ein- und Zweifamilienhausgrundstücken soll besonders im Bereich der Rückbauflächen in der Westlichen und Südlichen Neustadt erfolgen. Durch Ordnungsmaßnahmen wie z. B. die Herstellung oder die Anpassung und Änderung noch vorhandener Erschließungsstrukturen werden Grundlagen für eine räumliche und funktionale Anpassung an vorhandene, kleinteiligere Siedlungsstrukturen wie z. B. die Ortslagen Nietleben oder Passendorf vorbereitet. Voraussetzung dafür ist die bauträgerfreie und kostengünstige Bereitstellung von preisgünstigem Wohnbauland im Ein- und Zweifamilienhaussegment. Zudem werden unter dem Aspekt der Klimaanpassung innovative Lösungen für die Regenwasserentsorgung bzw.-speicherung und die Wärmeversorgung angestrebt, umso zudem einen Pilotcharakter für andere Flächenentwicklungen zu generieren.

  • Herstellung und Anpassung der Erschließungsanlagen für die städtebauliche Erneuerung von Wohnbauflächen im Bereich des Bebauungsplanes Nr. 207 „Neustadt, Wohnen am Nietlebener Park“
  • Herstellung und Anpassung der Erschließungsanlagen für die städtebauliche Erneuerung von Wohnbauflächen im Bereich der Soltauer Straße

Räumliche Vernetzung

Neustadt ist umgeben und eingebettet in großflächige Freiräume, die bisher für die Bewohner*innen Neustadts zum Teil noch unzureichend zugänglich sind, die aber gleichzeitig die Besonderheit des Quartiers ausmachen und es von anderen Wohnquartieren unterscheidet. Ebenso ist sind die inneren Grünzüge und Freiflächen weiter zu verknüpfen, um ihre Wirksamkeit und Wahrnehmung als Grünes Netz zu verbessern.
In der Westlichen Neustadt im sind durch den Rückbau viele Freiflächen ohne Funktion und Zusammenhang verblieben. Ziel der städtebaulichen Neuordnung ist es, zusammenhängende Grünzüge  zu schaffen, die an bereits bestehende größere Erholungsflächen anbinden. Im Nördlichen WK V betrifft das z.B. die Entwicklung einer neuen öffentlichen Grünverbindung von der Magistrale mit Anschluss an den Park Nietleben (ehemaliger Friedhof), im südlichen WK V den Ausbau der Verbindung von der Magistrale über das Kinderdorf bis zu  dem Bereich der Angersdorfer Teiche. Auch die Schließung von Netzlücken wie am Kleinen Teich und geplante Straßenbaumpflanzungen tragen hier zur Ausbildung des Grünverbundes bei. Maßnahmen zur besseren Vernetzung sind weiterhin die Entflechtung des Fuß- und Radverkehrs im Bereich Feuerwache mit dem Ziel, die Verbindungsachse zur südlichen Saaleaue für Fußgänger und Fahrradfahrer angenehmer zu gestalten. So könnte die räumliche Nähe zwischen Südlicher Neustadt und Südlicher Innenstadt optimal für eine direkte Ost-West-Radwegeachse genutzt werden, wenn die Wege saniert und die Rohrbrücke am Böllberger Weg/Höhe Hafenbahntrasse als Saalequerung ertüchtigt werden.

  • Vernetzung Grünzug WK V Nord
  • Vernetzung WK VI - Kleiner Teich
  • Vernetzung Neustadt-Sandanger
  • Vernetzung Neustadt – Feuerwache (Radwege)

Stadtgrün

Die städtebauliche Qualität Neustadts liegt u.a. in der Gliederung nach Wohnkomplexen mit jeweils eigenen, unterschiedlich gestalteten Quartierszentren begründet. Durch diese Zentren oder angrenzend verlaufen auch die Hauptgrünachsen des Stadtteils. . Zentren und Grünzüge fungieren als Treffpunkt, sie prägen den jeweiligen Wohnkomplex und fördern damit die Verbundenheit und das Heimatgefühl zum Wohnquartier.
Für den WK VI soll mit der baulichen Weiterentwicklung wieder ein Quartierszentrum mit einem zentralen Grünzug und generationsübergreifenden Nutzungsangeboten entstehen. Im WK V ist eine Aufwertung des ehemaligen Nietlebener Friedhofes zu einer stärker nutzbaren Parkanlage sowie eine attraktivere Gestaltung des Umfeldes an der Eselsmühle geplant.
In der Vergangenheit konnten mit Hilfe der Förderung aus der Sozialen Stadt bereits einige stadtbildprägende Plätze und Grünanlagen, zum Teil auch Wohngebiets-Brunnen aufgewertet werden. Für die Qualifizierung der Grünanlagen und Ausstattungen besteht im Stadtteil weiterer Bedarf. Beim Chemie- und auch Frauenbrunnen steht die Instandsetzung noch aus. Damit verbunden sind ihre barrierefreie Erschließung und die gestalterische Einbettung der jeweiligen Brunnen ins Umfeld.
Die Aufwertung des Stadtraumes mit Kunstwerken und künstlerischen Interventionen soll fortgeführt werden. Ein mögliches Projekt in diesem Bereich ist die Erweiterung und der Ausbau der Grünen Galerie in Richtung Altstadt.

  • Grünzug WK VI, Ostteil (mit Spielplatz)
  • Aufwertung Park Nietleben (mit Spielplatz)
  • Sanierung Frauenbrunnen
  • Grünzug WK VI, Westteil (mit Spielplatz)
  • Grünzug WK V Süd
  • Sanierung Chemiebrunnen
  • Umfeld Eselsmühle
  • Fortsetzung Grüne Galerie / Vernetzung Altstadt – Neustadt
  • Aufwertung Parkanlagen von Grünzügen (z.B. Südpark – Wege
  • Gestaltung von Stadtplätzen (z.B. Zur Saaleaue, Platz Drei Lilien)

Spielflächen

Die Schaffung von Spielflächen ist insbesondere wichtig zur Stärkung der Familienfreundlichkeit des Stadtteils, was wiederum die Wohnzufriedenheit stärkt und die Identifikation und Verbundenheit auch der jungen Bewohner*innen mit ihrem Stadtteil erleichtert. Die Förderung von Familien steuert dem Überalterungsprozess im Wohngebiet entgegen. Gleichzeitig erleichtern Spielplätze den Austausch von Kindern und Eltern unterschiedlicher Herkunft und Nationalität und tragen somit zur sozialen Integration der Bewohner*innen bei. Die Möglichkeit, Patenschaften für Spielplätze zu übernehmen, soll stärker kommuniziert werden  mit dem Ziel, dass die Bürger*innen sich mit ihrem Stadtteil identifizieren, diesen aktiv mitgestalten und sich einbringen.
In den vergangenen Förderjahren konnten mit Hilfe des Förderprogramms Soziale Zusammenhalt viele Spielplätze neu gestaltet werden. Weiterer Handlungsbedarf besteht insbesondere in den Entwicklungsgebieten in der Westlichen Neustadt, im Gebiet der Südlichen Neustadt sowie für ausgewählte Standorte in der Nördlichen Neustadt. – Grundlage der Prioritätensetzung bildet die Spielflächenkonzeption der Stadt Halle, in der die Bedarfe stadtweit analysiert wurden.
Spezifische Themen wie zielgruppenorientierte Angebote für Kinder oder Jugendliche, Mehrgenerationenspielplätze für die ganze Familie bzw. barrierefreier Ausbau fließen in die Konzeption der Einzelvorhaben ein. So soll z.B. entsprechend Abstimmung mit dem Skateverein der östlich des Zentrums gelegene Skatepark  erweitert und mit neuen Angeboten für Trendsport sowie Service und Cafè versehen werden, um die Anziehungskraft zu erhalten und auch neue Nutzergruppen zu integrieren

  • Zentrum - Ergänzung Skatepark
  • Spiel-und Bolzplatz Feuerwache
  • Heideklause
  • Drei Lilien
  • Richard-Paulick-Straße
  • An der Eselsmühle
  • Edvard-Grieg-Weg / Wohngebiet Südpark (Schotterfläche zwischen Christian- Gotthilf-Salzmann Schule und Edvard-Grieg-Weg)

Peißnitzinsel und westliche zentrale Saaleaue

Mit der Gebietserweiterung nach Osten zur Saaleaue wurde die Lagegunst Neustadts an der Saaleaue weiter unterstrichen. Das Quartier soll sich weiter räumlich und sozial stärker mit dem Umland und mit der Gesamtstadt verzahnen. Die Peißnitz bildet, als ein stadtweit bedeutender Naherholungsraum, das Scharnier dafür. Der Maßnahmenschwerpunkt Peißnitzhaus mit Umfeld fügt sich wesentlich in das sozialintegrative Handlungsfeld ein. Durch  die Ergänzung von Nutzungsangeboten und Erhöhung der Aufenthaltsqualität wird die Attraktivität des Landschaftsraums sowohl für die Halle-Neustädter wie auch für die Bewohner*innen der Gesamtstadt weiter gefördert und vergrößert. Mit diesen Maßnahmen werden die Wohnquartiere westlich und östlich der Saale zusammengeführt.

  • Treppenanlage Gutspark
  • Verkehrsgarten
  • Steganlage
  • Parkplatz Halle-Saale-Schleife
  • Peißnitzbrücke