Handlungsfeld 1 – Stadtteilleben & Partizipation

Im Handlungsfeld „Stadtteilleben & Partizipation“ stehen Strategien zur Stärkung des stadtteilkulturellen Lebens und des bürgerschaftlichen Selbstbewusstseins im Vordergrund. Partizipation, Öffentlichkeitsarbeit sowie Bildung, Kultur und Sport sind ganz wesentliche Faktoren für die Stärkung der gesamtgesellschaftlichen Teilhabe. Die Stärkung der Identifikation der Bewohner*innen mit dem Stadtteil sowie auch die Außenwirkung des Stadtteils (Image) ordnen sich ebenfalls in diesem Handlungsfeld ein. Zum einen sollen und können mittels verschiedener Maßnahmengruppen diese Themen auch weiterhin im Stadtteil verankert und so Anlässe für Identifikation mit dem Stadtteil geschaffen sowie das Image verbessert werden. Zum anderen ist das Ziel mit Interventionen neue Sichtweisen auf den Stadtteil zu eröffnen.

Quartiermanagement

In der kommenden Förderperiode ist die Fortführung des Quartiermanagements mit folgenden Aufgabenschwerpunkten geplant:

  • Dienstleister für den Stadtteil, d. h. vornehmlich greift das Quartiermanagement Ideen und Aktivitäten aus dem Stadtteil auf und bündelt diese zielführend in enger Absprache mit den Akteur*innen / Bürger*innen im Viertel.
  • Beratung bei der Initiierung von Projekten von Akteur*innen im Stadtteil und nachbarschaftlichem Engagement,
  • Anstoß und Organisation von Partizipationsprozessen, insbesondere bei städtebaulichen Planungs- und Veränderungsprozessen,
  • Dem Quartierbüro kommt auch die Aufgabe zu, einen konstruktiven Dialog anzustoßen, bei unterschiedlichen Interessen in diesen Prozessen Kompromisse anzustreben, Netzwerke zu bilden und zu betreuen,
  • Akquise von Fördermitteln außerhalb der Städtebauförderung,
  • Öffentlichkeits- und Imagearbeit

 

Insgesamt kommt der Initiierung bürgerschaftlicher Aktivitäten eine besondere Bedeutung zu, damit längerfristig die Entwicklung des Stadtteils verstärkt von der Bewohner*innen und den ansässigen Unternehmen getragen wird. Aufgrund der Größe des Stadtteils und der Vielzahl der wahrzunehmenden Aufgaben ist eine Manifestierung des Quartierbüros mit zwei Stellen erforderlich.

Stärkung und Schaffung von Kultur-, Freizeit- und Sporteinrichtungen

Die Belebung des Stadtteils zeichnet sich durch eine Vielzahl wichtiger, etablierter und teilweise gut funktionierender Einrichtungen aus. Diese Einrichtungen sollen gestärkt und weiterentwickelt werden. Als Einzelmaßnahmen zählen hier insbesondere:
Zum Beispiel:

  • Ausbau der Freiflächen des Mehrgenerationenhauses „Pusteblume“
  • Weiterentwicklung des Tabea-Bürgerparks zu einer Begegnungsstätte für Ferienfreizeiten
  • Unterstützung lokaler Akteure*innen (FamilienBETRIEB Roxy, Grüne Villa)
  • Entwicklung neuer Freizeitangebote für Jugendliche (z.B. offenes Haus mit Sportangeboten und Gastronomie)

Imagestärkung

Die Veränderung des Stadtteilimages ist ein langwieriger Prozess, welcher durch Öffentlichkeitsarbeit in Verbindung mit realen Veränderungen erreicht werden kann. Kernthemen der Öffentlichkeitsarbeit sind städtebauliche Projekte, aber auch flankierende Aktionen sowie Projekte des Verfügungsfonds oder Bildungsprojekte. Die Akquise von Mitmachprojekten aus Kunst, Bildung und Kultur mit der Schnittstelle Öffentlichkeitsarbeit soll weitergeführt werden. Projektübergreifend werden im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit die „Kommunikationsziele“ angestrebt: stadtweite Aufmerksamkeit, Verknüpfung der einzelnen Maßnahmen, Informiertheit, Dialogbereitschaft, Engagement und Unterstützung für die Programmziele.
Zur öffentlichkeitswirksamen Kommunikation wird ein Mix aus Kommunikationsmitteln angewendet und sukzessive weiter ausgebaut.

Dazu gehören:

  • Stadtteilzeitung (Bündelung von Aktivitäten, Verteilung im Stadtteil) - Stadtteilzeitung HANEUigkeiten – Quartiermanagement (spi-ost.de)
  • Plakate und Flyer, Dokumentationen
  • Internetveröffentlichungen auf halle.de / Social Media
  • Sonderveröffentlichungen in der lokalen Presse
  • Baustellenmarketing
  • Feste / Veranstaltungen, Workshops

 

Die Professionalisierung der Öffentlichkeitsarbeit soll durch externe Unterstützung fortlaufend entwickelt werden. Insbesondere gilt das für die Entwicklung von zielgruppenspezifischen Botschaften und innovativen, öffentlichkeitswirksamen Veranstaltungsformaten. So werden auch die entwickelten „Schnellstarter“ des Maßnahmenkonzeptes Südliche Neustadt unter diesem Maßnahmenbereich aufgenommen.

Walls of fame

“Walls of fame” sind zur legalen Graffiti-Gestaltung freigegebene Wände im öffentlichen Raum. Einst ein ungewöhnliches Werkzeug, haben inzwischen viele Städte gute Erfahrungen damit gemacht, die Stadt Halle (Saale) z.B. in Freiimfelde. Da ihre Gestaltung legal ist, sind die Kunstwerke aufwändiger und ästhetischer als illegale Graffitis. Die klare Setzung als “legale Wand” erhöht erfahrungsgemäß die Akzeptanz in der Bevölkerung deutlich, auch, da hierdurch weniger illegal gesprüht wird. Die Gestaltung der Wände erfolgt größtenteils durch eine Subkultur, die jedoch durch ihre Mobilität und Präsenz im öffentlichen Raum einen Aktivierungseffekt hat. Vor allem aber sind “Walls of fame” bunt, vielfältig, und stetig im Wandel. Sie stellen eine aneignungsoffene Alternative zu vollflächigen Fassadengestaltungen dar. Zudem können unattraktive Nicht-Orte so kostengünstig neu gestaltet werden.

Es wurden viele Stellen in der Südlichen Neustadt ermittelt, an denen “Walls of fame” eine raumprägende Wirkung entfalten können, indem sie Akzente innerhalb relevanter Blickachsen setzen. Die Umsetzung erfolgt kontinuierlich durch Akteure aus der Gesamtstadt, sowie in Workshops mit lokalen Schulen und freien Trägern der Jugendarbeit.

Biografien

Bewohner*innen beklagen die Anonymität und Monotonie der Bauweise, während die Bevölkerung zunehmend heterogen und sich wechselseitig fremd wird. Während drei Wintermonaten werden Porträts von Bewohner*innen an Hauswände in der Südlichen Neustadt projiziert, jeweils zusammen mit durch Schüler*innen gesammelten und editierten Biographien, Eindrücken, und dem Ort verhafteten Erinnerungen. Je fünf bis sieben Porträts werden gleichzeitig einen Monat lang projiziert, im nächsten Monat wieder neue an anderer Stelle im Quartier. Die Wanderbewegung wirkt aktivierend auf den Stadtteil. Sich selbst (künstlerisch verfremdet) als Bild im öffentlichen Raum zu sehen, hat einen enorm identitätsstiftenden Effekt auf Menschen, die es sonst nicht gewohnt sind, in dieser Weise sichtbar zu sein. Die Diversität wird nahbar, und die heterogene Historie zum Bestandteil der Eigenlogik des Stadtteils. Zudem öffnen positive Eindrücke Anderer den eigenen Blick auf jene Aspekte des Lebensumfeldes, die man bisher noch nicht wertgeschätzt hat. Über die Öffentlichkeitsarbeit wirken die Bilder nicht nur in das Quartier hinein, sondern auch auf das Image des Stadtteils. Den teils als trist empfundenen Fassaden der Neustadt werden in der dunklen Jahreszeit positive Akzente entgegengesetzt.

Prozess: Die Interviews werden entweder in Form einer Schüler*innen-Arbeitsgruppe, oder während Schulprojektwochen durchgeführt. Die entstandenen Texte werden gemeinsam mit den Schüler*innen redigiert, die Portraits u.U. künstlerisch verfremdet. Parallel werden geeignete Giebel ermittelt. Kriterien sind gute Sichtbarkeit der Giebel, gleichmäßige Verteilung im Quartier und Projektionsmöglichkeiten etwa aus leerstehenden Wohnungen heraus; hier wird gezielt auf lokale Wohnungsunternehmen zugegangen. Falls die Texte Bezug zu einem konkreten Ort (Lieblingsort o.dgl.) haben, wird darauf geachtet, den räumlichen Zusammenhang erkennbar zu machen. Parallel zum Projektionszeitraum findet eine begleitende Öffentlichkeitsarbeit statt, die zu einem positiven, heterogenen Narrativ über die Südliche Neustadt beiträgt.

Platzmarken

Ein besonderes Potenzial der Südlichen Neustadt sind die großzügigen Freiräume. Der Südpark und der Grünzug „Am Treff“, der vom Neustädter Zentrum über den Frauenbrunnen zum Quartierszentrum „Am Treff“ führt sind übergeordnete, deutlich wahrnehmbare Grünstrukturen. Viele andere Bereiche wirken dagegen unzusammenhängend, unstrukturiert und konturlos. Es fehlen Orte, die im Stadtgefüge eine Platzfunktion einnehmen, Akzente setzen, Orientierung geben oder Sequenzen gliedern können.  Das Konzept ha:neo stellt einen Ansatz dar, solche Identitätsmarken auch stärker in der Südlichen Neustadt zu schaffen. Orte, die an Scharnierstellen liegen, werden weiter qualifiziert. Bestehende Ansätze zur Stärkung von Quartiersidentitäten („Pferdeviertel“, „Künstlerviertel“) werden aufgegriffen. Dort, wo es sich anbietet, wird die Aufenthaltsqualität gesteigert. Die Orte wurden mit Blick auf die langfristige Strategie gewählt; die konkrete Umsetzung der Maßnahmen muss wiederum darauf angepasst werden, welche Aktivitäten langfristig verfolgt werden sollen.

Neustadt Maps

Neustadt verfügt teilweise bereits über ein breites Angebot an sozialen Trägern, außerschulischen Bildungsangeboten, kulturellen Eirichtungen sowie Sportvereinen. Die Erfahrungen aus dem Workshop haben gezeigt, dass diese oftmals nur zu wenig bekannt sind und wenig Wahrnehmung seitens der Bewohner*innen erfahren.
Eine Art Mapping in Anlehnung an frühere Themenkarten des Stadtteils Neustadt in Verbindung mit social media kann eine höhere Aufmerksamkeit erreichen. Es sollte die kartographische und digitale Darstellung vorhandener sozialer Träger, Hilfsdienste, Dienstleistungen, Bildungseinrichtungen, Sportvereine etc. beinhalten und die speziellen Angebote, Öffnungszeiten oder Veranstaltungen hinterlegt sein. Für einen möglichst barrierearmen Zugang ist ein mehrsprachiges sowie digitales und analoges Angebot erforderlich. Für ein analoges Angebot kann z. B. die Stadtteilzeitung genutzt werden.